Die Wissenschaftscommunity protestiert gegen die Verharmlosung der Vorwürfe gegen den Bundesverteidigungsminister. Hunderte Demonstranten fanden sich am Samstag vor dem Bendlerblock ein, um am Berliner Dienstsitz des Verteidigungsministeriums zu Guttenbergs Entlassung zu fordern.
Der hoch angesehene frühere Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Ernst-Ludwig Winnacker, empfiehlt zu Guttenberg im morgen erscheinenden SPIEGEL zu prüfen, “ob er sich noch vor seine Soldaten oder vor die Studenten der Bundeswehrhochschulen stellen und von Tugenden sprechen kann.”
Unterdessen verdichtet sich die Kritik am Promotionsverfahren zu Guttenbergs. Der damalige Zweitgutachter Prof. Rudolf Streinz fungiert als “Vertrauensdozent” der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung. Hinzu kommen irritierende Details über einen augenscheinlichen Versorgungsposten, den die Universität Bayreuth einem früheren CSU-Funktionär eingerichtet haben mag.

Bild: Uni Bayreuth
So beschäftigt die Universität den ehemaligen Generalsekretär der CSU Bernd Protzner als Leiter ihres “Career-Service”. Die Personalie erstaunt in mehrfacher Hinsicht, weil Protzner wegen Steuerhinterziehung vorbestraft ist und als Lobbyist kein taugliches Aushängeschild der Universität wäre. Vor diesem Hintergrund erscheint auch seine frühere Karriere als Generalsekretär des CSU dem Ruf der Universität als politisch unabhängige Hochschule eher abträglich. Protzner war ferner zu Guttenbergs unmittelbarer Vorgänger als Kulmbacher Wahlkreiskandidat. Der Kulmbacher CSU-Kreisrat Wolfgang Protzner, der Bruder Bernd Protzners, hatte Guttenberg als Nachfolger seines Bruders im Wahkreis empfohlen. Wolfgang Protzner selbst war Hochschullehrer an der Uni Bamberg. Ob er neben der Wahlkreiskandidatur zu Guttenbergs auch an der Einrichtung einer Stelle für seinen Bruder in der Universitätsverwaltung in Bayreuth beteiligt war, ist unklar.